Reform-Rezept des Monats

In 2007 wurden anlässlich des hundertjährigen Bestehens des Hauses monatlich bauliche Details gezeigt. In 2008 stellten wir „Pflanzen des Monats“ im Hesse-Garten vor. In 2009 widmeten wir den Künstlerfreunden Hesses jeden Monat eine Vorstellung.
In 2010 werden wir uns mit der reform-orientierten Ernährung im Zusammenhang mit Familie Hesse auseinandersetzen. Sie werden jeden Monat das "Reform-Rezept" des Monats finden, orientiert an den Briefen und Beschreibungen von Mia und Hermann Hesse aus der damaligen Zeit.

 

 

Erfahren Sie mehr im Rahmen der monatlichen Hausführungen!

 

 

Reform-Rezept des Monats September


Frucht der Quitte (Quelle: Wikipedia)

„Denk auch daran, Dir die Konfitüren zu Gemüte zu führen, die wir eingemacht haben. Es nimmt mich wunder, ob sie auch noch gut sind. Andernfalls, wenn sie gähren, müsste Karline sie noch mal mit Zucker aufkochen....“

Mia aus Basel an ihren Mann Hermann Hesse in Gaienhofen

 

 

In der reformorientierten Küche von Frau Hesse in Gaienhofen spielten Frucht-Sirups und Konfitüren eine wichtige Rolle. Die Sirups wurden zu süssen Puddings gegessen, die Konfitüren zu Brot.

Hermann Hesses junger Beerengarten warf recht schnell genügend Beeren zur Verarbeitung ab, der Obstgarten mit seinen 80 Obstbäumen dürfte jedoch noch zu jung gewesen sein, um genug Ertrag zu bringen.

Es ist dokumentiert, dass Frau Hesse Quitten aus Schorndorf bezog, die sie zu Konfitüre verarbeitete.

 

Das vorbereitete Fruchtmus wurde mehrere Stunden mit „gleichschwer Zucker“ gekocht, bis es eindickte. Gelierzucker war noch unbekannt.Falls nicht lange genug gekocht wurde, bestand durch den Saftanteil der Früchte die Gefahr des Gärens.... daher der Hinweis des erneuten Aufkochens durch das damalige Hausmädchen..

 

Reform-Rezept des Monats Juli

„ Die Beete haben Leben, hier wird lichtgrüner Lattich stehen.....“

Hermann Hesse, 1908

„Unserem Salat werden wir kaum noch Meister, so viel wir auch essen....“

Mia Hesse, 1909

 

Im Hause Hesse wurde im Rahmen der Selbstversorgung zwischen 1907 und 1912 selbst gezogener Gartensalat verzehrt. Er ähnelte damals vermutlich noch eher seiner Herkunftspflanze ,dem (essbaren) Wild- Lattich, der heute als lästiges Unkraut gilt. Aus dem Wild-Lattich entstand über lange Züchtungsreihen die heutige Vielfalt der Gartensalate.

 

Je älter die Salatsorte, desto mehr kommt der bittere Geschmack aufgrund des Milchsaftgehalts zum Tragen.

 

Das dürfte auch der Grund gewesen sein , warum in Reform-Kochbüchern der damaligen Zeit vor dem Verzehr ein einstündiges Wässern des geschnittenen Salats in Salzwasser angeraten wurde: „ damit nichts Unreines zurückbleibt.“.... Das der Vitamin –und Mineralstoffgehalt darunter leidet, wusste man damals noch nicht.

Zubereitet wurde der geschnittene Salat beispielsweise mit gehackten Kräutern, Zitronensaft, Zwiebeln und Salz. Mia Hesse hatte in Gaienhofen ihre Mühe an Zitronen zu kommen, die es nur in Colonialwarenläden gab...

 

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Wilder Lattich (Lactuca Saligna, Quelle: Wikipedia)

Rezept des Monats Juni: Grahambrot


Professor Sylvester Graham (1794- 1851) (Quelle: ivu.org)

„Ich esse morgens stets einen Brei (...). Dazu ein Stückchen Grahambrod mit Butter.“

H. Hesse an seine Schwester Marulla, 1907

 

Der amerikanische Arzt Sylvester Graham propagierte den Vegetarismus und zeigte schon vor 1900 den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit auf. Unter anderem befürwortete er den Genuss von Weizenvollkornbrot ohne Triebmittel, ohne Salz, und ohne das damals übliche (giftige) Bleichmittel: Das dunkle, feste Brot wurde nach ihm „Grahambrot“ genannt und galt als gesundheitsfördernde Alternative zu dem üblichen weichen Weißbrot aus ausgemahlenem Mehl. Eine geringe Menge an Butter zum Brot war durchaus erlaubt.

 

Vermutlich lernte Hermann Hesse dieses Brot bei einer seiner zahlreichen Kuren kennen: Hier in seinem Haus stellte Hesse mit Hilfe seiner Frau seine Ernährung radikal um und erhoffte sich nachhaltige Verbesserung seiner ständigen Magen-Darmverstimmungen.

 

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Rezept des Monats Mai: Max-Bircher-Benner-Müsli


Max Bircher-Benner mit seinem Müsli (Quelle:Bircher-Benner-Archiv, Universität Zürich)

„(...) Ich esse morgens stets einen Brei (ungekocht) aus allerlei Obst (getrocknete Äpfel und Pflaumen, Feigen, Nüsse, Mandeln etc.) der mir sehr schmeckt. (...)“

H.Hesse ,1907

 

Maximilian Bircher Benner, ein Schweizer Arzt entdeckte vor hundert Jahren auf einer Bergwanderung das einfache Essen der Almhirten: Das Müsli. Auf dieser Müsli- Grundlage von Haferflocken, Äpfeln und Nüssen therapierte Benner ab 1902 in seinem Sanatorium „Lebendige Kraft“ in Zürich Patienten mit Verdauungsbeschwerden.

Es ist unbekannt, ob Hesse dort auch kurte , oder woher er die Kenntnis über den Gesundheitswert des Max-Bircher-Benner Müslis hatte, welches er jeden Morgen von seiner Frau serviert bekam. Belegt ist allerdings , dass er alle möglichen Kost- und Kurversuche unternahm, um seine anhaltenden Magen-Darmbeschwerden zu lindern.

 

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Reform-Rezept des Monats April


Sauerampfer (Rumex acetosa) (Quelle: Wikipedia)

„....Wir kochen Dir dann wieder so schöne Sauerampferpuddings....“

(Mia Hesse)

 

Nicht nur zur Zeit der Lebensreform um 1900, als Mia und Hermann Hesse nach Gaienhofen zogen, gab es eine Hinwendung zur Selbstversorgung aus Garten, Feld und Wald. Insbesondere die Landbevölkerung nutzte ohne Beeinflussung durch Trends oder Moden immer schon Wildkräuter zur Ernährung, Heilung von Mensch und Vieh. Nach langen strengen Wintern waren die Gemüsevorräte aufgebraucht und man labte sich am frischen Grün der Wildpflanzen als willkommene Vitaminlieferanten .

So hielt es auch Hermann Hesses Frau Mia: Sie kochte für ihren Mann 1909 als Krankenspeise einen „Sauerampferpudding“, den er offenbar sehr schätzte. Heutzutage würde man das nicht mehr „Pudding“ nennen, sondern einen herzhaften Auflauf, den Mia mit dem ersten frischen Ampfer im Frühling zubereitete.

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