Die wechselvolle Geschichte des Hermann-Hesse-Hauses

1907 erwirbt Hermann Hesse Land in Gaienhofen im Gewann "zum alten Bach", Gaienhofen. "... ich glaube der Quadratmeter kostete etwa 2 - 3 Groschen..."

Hesse lässt durch den Basler Architekten Hans Hindermann dort ein Haus bauen. Es ist das einzige Haus, welches Hesse je bauen liess.

Einzug im Sommer 1907

Hesse schreibt: "... die Lage ist sehr schön, Quellwasser ganz nahe, das ganze 3 Minuten zum Dorf, mit weiter Seeaussicht nach 2 Seiten. Das Häusle wird bis zum 1. Stock massiv gemauert, oben Fachwerk und wahrscheinlich Schindelbekleidung, 7 - 8 Zimmer ohne Nebenräume. Der Boden ... gibt einen guten Garten."



Das Hermann Hesses Haus um 1912

Im September 1912 verkauft Hesse das Haus an Clara Auffermann aus Hameln die ... "einen Obstgarten anzulegen wünscht" und zieht mit seiner Familie nach Bern.

1920 kauft der Kunstmaler Walter Waentig aus Dresden das Haus

 

Im Laufe der Jahrzente werden umfassende Umbau- und Veränderungsmaßnahmen innen und außen durchgeführt: Bau einer Blechgarage im Garten, Elektrifizierung des Hauses, Einbau einer Zentralheizung, Anpassung/ Modernisierung des Badezimmers, Kanalanschluß und Veränderungen der Holzeinbauten.



Das Hermann-Hesse-Haus zur Zeit Walter Wentigs

Nach dem Tod Walter Waentigs 1962 führt seine Witwe Lenore im Haus eine kleine Ferien-Pension mit 5 Zimmern, das "Haus am Erlenloh" (bis ca. 1990).

Im Jahre 1972 wird das Dach des Hauses über eine amtlich genehmigte Baumaßnahme modern ausgebaut. Die Fischaugengauben verschwinden, 2 Schornsteine werden abgerissen, die Turmhaube des Treppenhauserkers an der Nordseite wird zugunsten eines Velux-Fensters entfernt. Der Speicher wurde in 5 Räume unterteilt.

Danach wird das Hesse-Haus von der zuständigen Behörde unter Denkmalschutz gestellt.

1992 wird das Grundstück halbiert und die Osthälfte und damit auch große Teile des ehemaligen Hesse-Gartens durch die Nachkommen von Walter Waentig verkauft. Auf dem verkauften Baugrund entstehen 4 Doppelhäuser.

Um 2000 planen die Nachkommen Waentigs ein Altersheim im Haus. Dieses kann jedoch nur kurzzeitig betrieben werden.

Nach etlichen Jahren wird das Haus 2003 wieder zum Kauf angeboten, allerdings ohne Erfolg.

Die Nachkommen von Walter Waentig planen die Abtrennung und den Verkauf des gesamten nördlichen Grundstückbereichs, eine Bauvoranfrage für 4 Doppelhaushälften für dieses Grundstück wird von der Gemeinde Gaienhofen zunächst zurückgestellt.

Eine private Initative zur Rettung des Hermann-Hesse-Hauses wird von engagierten Bürgern überlegt.

Im Dezember 2003 kaufen die Eheleute Dr. Bernd und Eva Eberwein aus Rhoendorf am Rhein das Haus und verhindern damit den drohenden Abriß sowie weitere Bebauungspläne für das Grundstück.



Im Januar 2004 beginnt die Sanierungsphase durch Architekt Dipl.Ing. Jens Koch, Rhoendorf.

Die Freilegungsarbeiten beginnen im April 2004 und werden in enger Absprache mit der oberen und unteren Denkmalschutzbehörde durchgeführt. Das Ziel ist die weitgehende Erhaltung der historischen Bau- und Ausstattungssubstanz bei gleichzeitiger Anpassung an den heutigen Stand der Technik.

Im Mai 2004 werden die Überreste der gefundenen Farben analysiert und daraus ein neues Farbkonzept für das Haus entwickelt, das den ursprünglichen Charakter der Räume erhalten soll.

Im November desselben Jahres werden die Instandsetzungsarbeiten in und am Haus beendet. 

Ab Januar 2005 beginnen die umfangreichen Recherchearbeiten zur Wiederherstellung des Gartengeländes. Ausgedehnte Freilegungs- und Sicherungsarbeiten finden im Gartenbereich statt.

Im September 2005 erhielten die Eigentümer den Denkmalpreis des Landes Baden-Württemberg 2005 für die vorbildliche Sanierung des Hermann-Hesse-Hauses. 

Bis Mai 2007 erfolgte nach 2-jähriger Recherche und auf Basis der denkmalschutzrechtlichen Genehmigung die Wiederherstellung des Gartenareals Nord.

Ab Januar 2009 erfolgte die Wiederherstellung des Gartenareals Süd:
Ein klassisches bäuerliches Gartenareal wurde wieder angelegt, sowie ein Kräutergarten in Erinnerung an Clara Auffermann.

Von März 2009 bis Oktober 2009: Errichtung eines zeitlosen Glashauses zur Anzucht von alten Gemüse und Blumensorten sowie zur Überwinterung von Heliotropen und Tuberosen. Architekt: Dipl.-Ing. Bruno Siegelin